Beitragsautor: Eberhard v. Lobenstein

Überzeugender 31:06 Royals Sieg gegen die bislang ungeschlagenen Dresden Monarchs

Die Potsdam Royals feiern in Dresden den Gewinn der GFL Nordmeisterschaft
Die Potsdam Royals feiern in Dresden den Gewinn der GFL Nordmeisterschaft
Foto: Philipp Kuhnert

Der Weg zum Finale am 11.10.2025, erstmals in Dresden, startet mit dem Viertelfinale am 20.09.2025, dem „EWP-Gameday“, unterstützt von Media Markt Saturn und Samsung, um 15:00 Uhr im Stadion Luftschiffhafen in Potsdam, gegen die Schwäbisch Hall Unicorns.

Erklärtes Ziel: Vierte Finalteilnahme am GFL-Bowl und dritte Meisterschaft in Folge.

Notwendige Anpassungen der Standards in der GFL-Liga erschweren die Bedingungen der Royals. Der Blick geht mit Sorge in die Zukunft.

Am vergangenen Samstag krönten sich die Potsdam Royals in Dresden beim Spiel gegen die Dresden Monarchs, mit der vierten Nordmeisterschaft in Folge. Nachdem die Saison mit vielen Verletzungen, insbesondere auf der Quarterback-Position, sehr herausfordernd für die Königlichen aus der Landeshauptstadt Potsdam startete, man sogar gegen den Aufsteiger aus Düsseldorf das erste Mal seit fast zwei Jahren verloren hatte, war der Auftritt in Dresden eine kraftvolle und geschlossene Mannschaftsleistung. Headcoach Michael Vogt: „Die Saison startete mit vielen Schwierigkeiten und wir brauchten Zeit, um die Mannschaft zu formen und auf unsere Spielweise einzustellen. Die Dominanz der vergangenen Jahre glitt uns etwas aus der Hand, aber das Spiel am Samstag zeigte, daß wir zum richtigen Moment wieder stärker werden. Natürlich hieß unser Ziel schon zu Beginn der Saison die erneute Finalteilnahme, planbar ist so etwas allerdings nicht – und es ist auch noch längst nicht erreicht. Es liegen noch schwere Spiele vor uns, wir konzentrieren uns jetzt voll auf das Viertelfinale.“

Präsident Jens-Torsten Müller: „Die Saison war eine Achterbahnfahrt, auch wenn wir nur ein Spiel verloren hatten. Die vielen Verletzungen brachten uns aus dem Rhythmus und das war für einen so jungen Verein wie wir dies im Vergleich mit den arrivierten Vereinen in der GFL sind, nicht nur sportlich ein Kraftakt. Das Ehrenamt tritt gesellschaftlich leider immer mehr in den Hintergrund, die Marketingbudgets der Unternehmen werden mit Blick auf die aktuelle wirtschaftliche Lage nicht größer. Die Rahmenbedingungen für uns, als aktuell erfolgreichste Sport-Mannschaft in der Landeshauptstadt Potsdam, erschweren uns massiv die qualitative Weiterentwicklung. Die German Football League (GFL) strebt in den nächsten Jahren wichtige Änderungen bei den Standards an.

Aktuell würden wir, der zweimalige und amtierende Deutsche Meister, viele dieser Standards nicht erfüllen. Dabei haben wir leider nur die wenigsten Dinge selbst in der Hand. Am Ende werden sich die Landeshauptstadt Potsdam und die Landesregierung Brandenburg die Frage stellen müssen, ob man sich in Zukunft American Football auf diesem Niveau leisten kann und will. Andere Städte und Landesregierungen tun dies und wir hoffen auf gute Gespräche und Ergebnisse.

Dresden konnte beispielsweise annähernd 7000 Besucher empfangen. Wir bieten demgegenüber nur ca. 350 überdachte Sitzplätze und die weiteren Sitzplätze sind für die meisten Zuschauer durch die Sitzposition, den Blick auf das Feld und die Qualität der Holzbänke weniger attraktiv als das andere Stadion bieten können. Diese sich daraus ergebende Mindereinnahmen stellen für uns einen erheblichen Nachteil gegenüber anderen Vereinen in Deutschland dar. Natürlich ist uns die allgemeine Situation in den Haushalten der Kommune und des Landes bewusst, aus diesem Grund liegen leider alle Optionen auf dem Tisch, Rückzug aus der Liga oder Fortbestand….Aber vielleicht steckt im „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ der Bundesregierung eine Chance für die Sportstadt Potsdam und uns. Nun rückt dies aber zunächst in den Hintergrund, wir streben die dritte Meisterschaft in Folge an und darauf lenken wir nun unsere ganze (ehrenamtliche) Kraft.“

Das Viertelfinale der Erima-GFL steigt am 20.09.2025 um 15:00 Uhr im Stadion am Luftschiffhafen.
Der Gegner im EWP-Gameday, unterstützt von Media Markt Saturn und Samsung, ist kein geringerer als die Schwäbisch Hall Unicorns, einem echten Schwergewicht in der Liga in den vergangenen Jahren. Es verspricht ein attraktives sportliches Aufeinandertreffen zu werden und die Fans können sich auf ein abwechslungsreiches Fanfest ab 13:00 Uhr auf dem Olympischen Platz freuen und sich für das Spiel einstimmen.

Ausführlicher Spielbericht vom 06.09.2025

Bereits seit Wochen fieberten nicht nur die Fans der Potsdam Royals dem letzten Spieltag der regulären Saison der Erima GFL entgegen. Die Designer des Spielplans hatten wohl nicht nur einen Hintergedanken, das Rematch des letztjährigen GFL Bowls ans Ende der Saison zu setzen. Im Laufe der Saison zeichnete sich auch immer mehr ab, dass es sich bei diesem Spiel auch um DAS Spitzenspiel der aktuellen Spielzeit handeln würde. Mit dem Wissen, dass der diesjährige GFL Bowl ebenfalls in Dresden stattfinden wird, wurde dem Spiel ein weiteres Highlight hinzugefügt.
Nicht ganz unerwartet sollte das Spiel auch noch über den Titel des „Nordmeisters“ entscheiden. Die bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer – die Dresden Monarchs – empfingen am vergangenen Samstag also den Tabellenzweiten der Staffel Nord – die Potsdam Royals im Heinz-Steyer-Stadion. Und es war schon eine beeindruckende Kulisse, die die Organisatoren den Gästen aus der brandenburgischen Landeshauptstadt bereiteten: über 6800 Zuschauer, darunter auch eine Vielzahl Potsdamer Fans bevölkerten das Rund. Die Spannung auf ein Spiel auf Augenhöhe war bis in die letzte Reihe im Stadion und auch vor den Empfangsgeräten der Daheimgebliebenen spürbar.

Die Gäste gewannen den Cointoss und entschieden sich den Ball in der zweiten Halbzeit empfangen zu wollen. Der KickOff der Royals landete direkt in der Dresdner Endzone und die Monarchs starteten somit den ersten Drive an der eigenen 25-Meter-Linie. Ein erster Pass auf den Star-Receiver Tyler Hudson und ein sehenswerter Lauf von Tofunmi Lala brachten die Dresdner schnell in die Redzone der Potsdamer. Die Defense der Royals konnte den Drive dann jedoch an der 5-Meter-Linie stoppen und dort auch ihre erste Angriffsserie starten.

Diese endete leider in einer getippten Interception – die Dresden Monarchs kamen an der Potsdamer 35-Meter-Linie erneut in Ballbesitz. Doch die Defense der Gäste zeigte nun ihrerseits ihre Klasse. Ronaldo Tomasello konnte einen Pass von Justin Miller abfangen – das Angriffrecht wechselte erneut. In den letzten zwei Minuten des ersten Quarters arbeitete sich die Royals-Offense nun bis kurz vor die Endzone der Monarchs vor. Dabei erzielten die Potsdamer fast mit jedem Spielzug ein neues First Down. Besonders sehenswert war dabei ein 30-Meter-Pass von Xeaiver Bullock auf Emanuel Bakare, der nach dem artistischen Catch noch zwei Defender aussteigen ließ und erst einen Meter vor der Goal-line gestoppt werden konnte.

Die Dresdner Defense konnte den ersten Versuch zum Touchdown verhindern, direkt nach dem Seitenwechsel tankte sich dann die gesamte Offense – mittendrin irgendwo der Ball – zum ersten Mal in die gegnerische Endzone. Die 2-Point-Conversion wurde jedoch gestoppt. Spielstand 0:6. Im nächsten Drive machte es die Dresdner Offense dann besser. Gebrochene Tackles, gute Pässe und QB-Sneaks, sowie ein glücklicher Shuffle-Pass brachten die Monarchs an die 2-Meter-Linie. Von dort aus hechtete sich Tofunmi Lala in die Endzone. Ausgleich. Der PAT wurde vergeben, es blieb beim 6:6.
Nach nur wenigen Spielzügen im nächsten Drive konnte dann Xeaiver Bullock einen langen Pass auf den freistehenden Milan Spiller anbringen, der die restlichen Meter bis in die Endzone uneinholbar überwinden konnte. Die 2PC funktioniert wieder nicht – 6:12.

Als die Monarchs Offense den nächsten Drive beendete, lag der Ball bereits an der 11-Meter-Linie der Dresdner. Dort wurde kurz vorher Ronaldo Tomasello nach einer Interception und anschließendem 50-Meter-Lauf aus dem Feld gedrängt. Erneut konnte die 2PC nicht verwandelt werden. Mit dem Spielstand von 6:18 ging es nach einer kurzweiligen ersten Halbzeit wenig später in die Pause.
Die erste Angriffsserie nach der Pause endete mit einem Punt der Potsdamer – dem ersten im Spiel. Das gute Spiel der Royals-Defense bis zu diesem Zeitpunkt zeigte nun bereits deutliche Wirkung auf die Dresdner Offense, viele Pässe des Quarterbacks fanden ihre designierten Empfänger nicht. Auf der Position des Running Backs wurde nun verstärkt auch der Veteran der Dresden Monarchs Yazan Nasser eingesetzt. Der Drive endete mit einem Fieldgoal-Versuch durch Florian Finke – erfolglos, weil die Potsdam Defense – im wahrsten Sinne des Wortes – wieder ihre Finger im Spiel hatte.
Mit vielen Laufspielzügen begann die Potsdamer Offense nun auch die Uhr gegen die Gastgeber auszuspielen. In kritischen Situationen konnte auch Quarterback Bullock seine Schnelligkeit ausspielen und so den Drive am Leben halten. Doch zu weiteren Punkten reichte das nicht. Mit dem Ende des Quartes war es dann auch sicher: Keine Punkte für niemanden.

Im letzten Quarter starteten die Royals mit ihrer Offense und einem erfolgreichen langen Pass auf Emanuel Bakare, der dabei jedoch unglücklich auf den Ball fiel und für eine kurze Pause im Spiel sorgte.
Davon und einem deutlichen Offside der Defense ließen sich die Royals aber nicht aus dem Konzept bringen – Pass auf Kassim Tiamiu und Touchdown. Auch der vierte Versuch eine 2PC zu verwandeln, schlug fehl, der neue Spielstand also 6:24. Die Monarchs Offense war inzwischen so verunsichert ob der eigenen Erfolglosigkeit, dass auch einfache Versuche nun nicht mehr funktionierten. Die Enttäuschung war den Spielern ins Gesicht geschrieben.

Die Gäste waren deutlich besser gelaunt und machten einfach weiter wie bisher: Den Ball bis in die Nähe der gegnerischen Endzone bringen, dann noch einmal kräftig Luft holen und mit vereinten Kräften den Ball über die Linie drücken.

Das Spiel nach diesem Touchdown gestaltete sich dann noch einmal interessant. Kenyatte Allen übernahm für die anschließenden Versuche die Position des Quarterbacks. Durch wechselnde Strafen beider Mannschaften versuchten die Potsdam Royals insgesamt drei Mal aus verschiedenen Distanzen eine 2PC zu verwandeln. Im vierten Anlauf entschied man sich dann doch zu einem Kick – dieser war dann straffrei und erfolgreich – 6:31. In der verbliebenen Spielzeit trudelte das Spiel dann aus. Keine der Mannschaften zeigte weitere Big Plays.

Eine überragende und gleichzeitig wohldosierte Leistung der Potsdamer, die sich damit die Führungsposition in der Tabelle eroberten. Damit verbunden war die vierte Nordmeisterschaft in Folge für die Royals. Weiters ist damit sicher, dass nicht nur das Viertelfinale der Royals im heimischen Luftschiffhafen stattfinden wird, sondern auch ein mögliches Halbfinale.

Nach dem Spiel zeigte sich der Royals Headcoach, Michael Vogt, trotz des deutlichen Spielergebnisses nur teilweise zufrieden. Im Interview sagte er: „Ich glaube, wir haben viel richtig gemacht, aber mit Sicherheit nicht alles.“ und auf die Frage ob das Ziel jetzt der GFL Bowl sei: “Ja, ohne Frage, alles andere wäre ja albern.“.

Die Pokalübergabe durch den Präsidenten des AFVD erfolgte dann überraschend weder an den Präsidenten der Potsdam Royals noch an den Trainer oder den Quarterback. Für mich ein Zeichen der mannschaftlichen Geschlossenheit, dass Finn Krause, seit einigen Wochen verletzt an der Seitenlinie diese Ehre zuteilwurde. Durch den gleichzeitigen Sieg der München Cowboys gegen die Unicorns ist nun auch klar, dass die Schwäbisch Hall Unicorns der Gegner für das Viertelfinale am 20. September sein werden.

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