Gigantischer, spektakulärer, atemberaubender – die Halbzeitshow des Super Bowl ist mindestens ebenso wichtig wie das größte Sportereignis der USA selbst.

SoFi Stadion, Inglewood, Los Angeles
SoFi Stadion, Inglewood, Los Angeles, Stadion vom Super Bowl 2022
Foto: unsplash

Dabei ist die NFL jedes Jahr darum bemüht, das Vorjahr in Sachen künstlerische Darbietungen zu überbieten, was sich dann wiederum positiv auf die Werbekosten auswirkt, die ohnehin bereits in schwindelerregender Höhe liegen. Viele Zuschauer sind mehr an der Pause während des NFL Saisonfinales interessiert als an dem, was sich auf dem Spielfeld tut. 2022 holte man mit Kendrick Lamar, Eminem, Mary J Blige, Snoop Dogg, Dr. Dre und Überraschungsgast 50 Cent gleich sechs Weltstars auf die Bühne und setzte damit neue Superlative. Doch auch andere Momente aus den Vorjahren sind heute unvergesslich.

Ganze 103 Millionen Zuschauer verfolgten die Halbzeitshow 2022 in den USA, ein deutlicher Zuwachs vom Vorjahr, als knapp 100 Millionen einschalteten, jedoch nicht vergleichbar mit dem absoluten Zuschauerrekord 2017 mit Einschaltquoten von 117,5 Millionen. Auch weltweit ist die Show beliebt und das nicht nur bei Football-interessiertem Publikum: rund 800 Millionen Menschen rund um den Erdball schalten oftmals frühmorgens oder spät in der Nacht zu, um die Konzerte in der Halbzeit wie auch die Werbespots namhafter Marken zu verfolgen. Über die vergangene Dekade hinweg wurden international private Super Bowl-Partys immer beliebter, um die Übertragung live mit Freunden und Bekannten zu verfolgen. Wer nicht direkt dabei ist, sieht die Aufzeichnungen später über YouTube oder andere Plattformen an – der Performance der sechs Rapper 2022 wurde inzwischen 77 Millionen mal auf YouTube aufgerufen.

Den Rekord auf dem YouTube-Channel der NFL halten jedoch die Stars der Show 2020: Jennifer Lopez trat hier gemeinsam mit Shakira auf

Die Performance wurde insgesamt 231 Millionen Mal aufgerufen, und damit weitaus häufiger als The Weeknd im Folgejahr mit 48 Millionen Views. Die beiden Queens traten im schillernd goldenen und silbernen Kostüm auf und lieferten ein furioses musikalisches Spektakel lateinamerikanischer Art, wobei sich die Zuschauer auch für eine Performance von JLo’s Tochter, gemeinsam mit einem Kinderchor, begeisterten.

Die Auszeichnung „beliebteste Show aller Zeiten“ geht jedoch an einen anderen Künstler, zumindest laut einer Umfrage des amerikanischen Meinungsumfrageinstituts Morning Consult: 59% wählten dabei die 2014 Halftime-Show mit Bruno Mars, mit Gastauftritt der Red Hot Chilli Peppers auf Platz eins, gefolgt von  Coldplay (featuring Beyoncé und Bruno Mars) 2016 auf Platz zwei, während das Duo Shakira und JLo auf Platz drei landete. Denkwürdig war die Show 2016 nicht zuletzt deshalb, dass Queen Bey dabei dem Headliner die Show stahl: Infolge der „Black Lives Matter“-Proteste in den USA hatten man kurzfristig beschlossen der britischen Indie-Band Coldplay eine schwarze Künstlerin zur Seite zu stellen. Sie bot während der Halbzeitshow dann ihren reichlich politischen Song „Formation“ dar, der einige Tage zuvor erschienen war – und sorgte damit für mächtigen Wirbel beim vorwiegend konservativen Superbowl-Publikum.

Auf Platz vier der Beliebtheitsskala liegt übrigens der Auftritt von Justin Timberlake 2018, wobei der spektakulärste Moment dabei seine Hommage an den 2016 verstorbenen Prince war, den er mittels eine Hologramms auf die Bühne holte. Weniger skandalös als JTs Performance 2004 war sein zweiter Halftime-Show Auftritt auf jeden Fall, zumal sein damaliges Duett mit Janet Jackson als „Nipplegate“ in die Geschichte einging: Versehentlich entblößte er dabei die Brust der Sängerin, deren Karriere daraufhin steil bergabging. Obwohl der Vorfall nicht ihre Schuld war, wurde ihre Musik aus Radio- und Fernsehsendern verbannt, während Justin Jahre später sogar eine zweite Super-Bowl-Chance bekam.

Wie sich diesjährige Show dauerhaft auf der Beliebtheitsskala hält, ist derzeit noch ungewiss. Aufsehen erregte dabei vor allem das aufwändige Bühnenbild mit Limousinen und stilisierten Häusern, die an Dr. Dres Heimat Compton erinnern sollten. Vieldiskutiert war im Nachfeld auch der Kniefall von Eminem, der sich damit dem NFL-Spieler Colin Kaepernick solidarisch erklärte, der 2016 in die Knie gegangen war, um auf den Rassismus in der NFL hinzuweisen – und damit gleichzeitig seine Profikarriere beendete.

Die Halbzeit ist natürlich nicht nur für passive Zuschauer wichtig, sondern auch für diejenigen, die live Sportwetten auf das Spiel abgegeben. Auch hier konnten 2022 Rekorde verbucht werden. Ebenso wie es bei Spieleautomaten Tricks gibt, die den Gewinn wahrscheinlicher machen, gab es auch beim Sportevent Hinweise auf welches Team man am besten tippen sollte, und die Buchmacher konnten sich über gigantische Profite freuen, wie das Las Vegas Journal im Anschluss berichtete: zu einen siegte mit den Los Angeles Rams der erklärte Favorit, zum anderen war die Punktedifferenz knapp und lag nur bei 4 ½ Punkten. In den Casinos von Las Vegas wurde kräftig getippt, es heißt das Event 2022 war hier das profitabelste aller Zeiten. Im Bellagio gewann ein Kunde mit einer Einzelwette allein eine Million US-Dollar. Das Wettbüro des Caesars Palace, Caesars Sportbook, gewann mächtig, nachdem der Möbel-Gigant Jim McIngvale 9,5 Millionen US-Dollar auf den Sieg der Bengals gesetzt hatte und diese verlor.

Zu den größten Gewinnern des Sportevents gehört natürlich die NFL selbst, die Werbung für Werbepausen und besonders zur Halbzeitshow zu Höchstpreisen verkauft. Wer 2022 einen 30-Sekunden-Werbespot schalten wollte, musste dafür 6,5 Millionen US-Dollar hinblättern. Ein deutlicher Preisanstieg, denn 2016 lag der Preis für die gleiche Dauer noch bei 5 Millionen Dollar. Über die Jahre hinweg liefen sich so einige Unternehmen den Rang in Sachen „teuerster Werbespot“ ab: Taco Bell zahlte für seinen Film „Viva Young“ 2013 7,6 Millionen Dollar. 2014 kauften sowohl Kia wie auch Jaguar einen Werbeplatz für 8 Millionen Dollar, Budweiser legte 2017 für „Born The Hard Way“ schlappe 10 Millionen Dollar hin – vergleichbar günstig im Vergleich zum Spot „Up For Whatever“ von Bud Lights 2014 für 12 Millionen Dollar. Rekordhalter als teuerster Super-Bowl-Spot aller Zeiten war lange der Spot „Imported From Detroit“ aus dem Jahr 2011, für den man Eminem verbuchte und insgesamt 11 Millionen Dollar berappte. Auch 2002 setzte man hier auf Superlative, wobei die allgemeine wirtschaftliche Lage die Unternehmen nicht davon abhielt, kräftig Werbung zu buchen: alle Werbeplätze waren nach Angaben der NFL ausverkauft. Beworben wurden in erster Linie Autos, aber auch Bier und Snacks – passend zu dem Genussverhalten des Super Bowl-Publikums – wozu zahlreiche Stars engagiert wurden.

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