Beitragsautor: Amfoo

Am Sonntag wird das Berliner Olympiastadion zur Bühne für eines der größten Sportevents des Jahres:

Großer Andrang auch beim NFL International Game London 19.10.2025 Jacksonville Jaguars vs. Los Angeles Rams
Großer Andrang auch beim NFL International Game London 19.10.2025 Jacksonville Jaguars vs. Los Angeles Rams
Foto: imago

Wenn die Indianapolis Colts auf die Atlanta Falcons treffen, ist nicht nur Football-Deutschland im Ausnahmezustand. Über drei Millionen Fans versuchten, Tickets zu ergattern – ein Rekord, der zeigt, wie tief die Begeisterung für die NFL hierzulande inzwischen verwurzelt ist.

Roger Goodell, seit fast zwei Jahrzehnten Commissioner der Liga, sieht in dieser Euphorie weit mehr als nur ein Zwischenspiel auf deutschem Boden. Für ihn ist der Hype der Beweis, dass American Football endgültig zu einem globalen Phänomen geworden ist. „Ich bin überzeugt, dass unser Sport weltweit erfolgreich sein kann – und es auch sein wird. Unsere Aufgabe ist es, ihn mit der Welt zu teilen“, sagt der 66-Jährige.

Von Berlin über London bis Rio – die NFL auf Expansionskurs

Die NFL denkt längst nicht mehr national. Ob London, Mexiko-Stadt, São Paulo oder Dublin – die Karten für internationale Spiele sind in Minutenschnelle vergriffen, und Goodell drängt weiter. Als nächstes stehen Madrid und Rio de Janeiro auf dem Spielplan, danach Melbourne. Auch Asien und der Nahe Osten sind inzwischen konkrete Optionen. Medienberichte deuten darauf hin, dass Saudi-Arabien 2026 erstmals Gastgeber eines offiziellen NFL-Events sein könnte, nachdem dort mit Tom Brady bereits ein Flag-Football-Turnier angekündigt wurde.

Goodell erklärte kürzlich: „Unser nächster Schritt nach Australien ist wahrscheinlich der Einstieg in Asien. Wir meinen es ernst damit, ein globaler Sport zu sein.“

Dass solche Worte keine PR-Phrasen mehr sind, zeigt der Berliner Spieltag eindrucksvoll – Europas größter NFL-Event des Jahres, übertragen in über 150 Länder.

Warum Teams um Auslandsspiele kämpfen

Noch vor wenigen Jahren mussten Teams überzeugt werden, für internationale Spiele ihre Heimat zu verlassen. Inzwischen ist das Gegenteil der Fall. „Die Teams stehen wirklich Schlange, um international zu spielen“, beschreibt Alexander Steinforth, Deutschlandchef der NFL, im Podcast „Between the Lines“.

Der Grund liegt auf der Hand: Die Auslandsbegeisterung befeuert neue Märkte, stärkt Sponsoring und Fanbindung – und macht Spieler weltweit zu Stars. Durch das sogenannte Global Markets Program dürfen Mannschaften gezielt in ausgewählten Ländern werben und eigene Projekte aufbauen. Deutschland ist dabei eine Schlüsselregion: Sieben Franchises, darunter die Kansas City Chiefs und New England Patriots, besitzen hier exklusive Vermarktungsrechte.

Globaler Kader, weltweite Faszination

Die Internationalisierung zeigt sich längst nicht mehr nur auf den Tribünen, sondern auch auf dem Rasen. Über 330 aktive NFL-Spieler stammen heute aus mehr als 50 Nationen. Besonders stark vertreten sind Kanada, Nigeria, Australien, Deutschland und Großbritannien. Programme wie das „International Player Pathway“ öffnen Talenten weltweit den Zugang – darunter deutsche Spieler wie Jakob Johnson, der seinen Weg von Stuttgart in die Profiliga fand.

Für viele Fans in Berlin wird der kommende Sonntag damit mehr als nur ein Sportfest. Es ist ein Symbol dafür, dass die NFL kein rein amerikanisches Produkt mehr ist, sondern ein globaler Markenbotschafter – verwurzelt in Tradition, getrieben von Expansion.

Eine Franchise in Europa?

Die Frage, ob es bald ein festes Team außerhalb der USA geben wird, treibt Goodell weiter um. „Ich würde sagen, dass die Märkte außerhalb der USA sehr attraktiv sind. Und wir haben hier eine ziemlich gute Abdeckung“, erklärte er im Gespräch mit CNBC.

Noch spricht er vorsichtig über logistische und sportliche Hürden. Aber die Entwicklung in Europa – und der Berliner Ansturm – zeigen: Der Markt ist bereit. Goodell betont, dass jedes Jahr aus der International Series gelernt werde, um den nächsten Schritt vorzubereiten.

Berlin liefert ihm dafür das perfekte Beispiel: voller Ränge, internationale Medienaufmerksamkeit, ein Wochenende voller Football-Begeisterung. Wenn an diesem Sonntag die Colts und die Falcons einlaufen, steht der Sport nicht nur für einen Spieltag – sondern für das neue Gesicht der NFL: weltumspannend, ehrgeizig und längst angekommen in Europa.

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