Beitragsautor: Harry Frosch
Helvetic Mercenaries, OMHG und die Alpine Rams zwischen Aufbruch und Ungewissheit
Ein schneller Höhenflug und ein abruptes Ende
Es war die perfekte Inszenierung für den nächsten Professionalisierungsschritt. Anfang Oktober verkündeten die Helvetic Mercenaries ihre Partnerschaft mit der Olly Masion Hospitality Group (OMHG): mehr Erlebnis, mehr Genuss, mehr Stadionkultur. Für viele klang das nach Zukunft. Doch nur Tage später war alles vorbei. OMHG beendete die Zusammenarbeit – mit höflichem Statement, aber ohne nähere Begründung.
Diese Blitzpartnerschaft sorgte nicht nur für Stirnrunzeln, sondern auch für ein Vakuum: Was war der Bruchgrund – und was folgt daraus? Die Antwort kam schneller als erwartet.
Wiedergeburt mit neuem Logo
Kaum war die Kooperation beendet, tauchte OMHG in neuem Kontext wieder auf – diesmal als Betreiber eines eigenen Football-Projekts: die Alpine Rams.
Mitten in Zürich, bei einer NFL Watch Party, wurde das Franchise vorgestellt. Joshua Fitzgerald, Head Coach der Mercenaries 2025, steht nun an der sportlichen Spitze. Die Zielrichtung ist ehrgeizig: 2026 Einstieg in eine europäische Spitzenliga, Aufbau einer Base im Kanton Bern, Förderung lokaler Talente.
Der Ton war selbstbewusst, die Vision weit: „Wir wollen eine führende Kraft im europäischen American Football werden.“ Doch wer genau hinschaut, erkennt: Zwischen Anspruch und Realität liegen noch viele unbeantwortete Fragen.
Die Strukturfrage: Wo beginnt OMHG – und wo hört sie auf?
Laut Handelsregister firmiert OMHG als UG (haftungsbeschränkt) in Deutschland – also als kleine, haftungsbeschränkte Gesellschaft. Zeitgleich tauchen bei Geschäftsführer Olly Masion auch andere Bezeichnungen auf, etwa „Olly Masion ist Managin Director der OM Hospitality Group GmBh“. Ein formaler Widerspruch, der mehr als nur die hier bewusst übernommenen Tippfehler vermuten lässt.
Wer also steht wirklich hinter dem Namen? Welche Gesellschaft trägt Verantwortung für Investitionen, Risiken und Verträge? Diese Unklarheit untergräbt das Vertrauen, das eine Sportorganisation zwingend braucht.
Die Referenzfrage: Events ja – aber Sport?
OMHG inszeniert Genussmomente, Barkonzepte und kulinarische Events. Doch nennenswerte Referenzen im professionellen Sportumfeld sind aukaum auffindbar. Auch die kurze Episode bei den Mercenaries liefert keine Grundlage, um Sportkompetenz zu beweisen. Außer einer Weinverkostung bei einem Thanks Giving American Football Event in einem Lokal in Freising 2023 sind keine nennenswerten Aktivitäten im Bereich American Football oder sonstigen Sportevents bekannt. Der Erlös des damaligen Events sollte übrigens an die Munich Ravens gehen.
Weder Trainingslogistik noch Ticketing oder Medical-Management wurden öffentlich fassbar dokumentiert. Für den Aufbau einer konkurrenzfähigen Football-Struktur fehlen somit belastbare Spuren.
Ein Franchise aufzubauen heißt, operative Tiefe zu zeigen – nicht nur kreative Energie.
Die Kommunikationsfrage: Strategie oder Verschleierung?
Dass OMHG und Fitzgerald nach dem Rückzug bei den Mercenaries schnell ein neues Projekt präsentieren, zeugt von Handlungswillen. Doch dieselben Akteure, dieselbe Zeitnähe und ähnliche Ankündigungen nähren Spekulationen: War der Bruch mit den Mercenaries ein taktischer Neustart – oder der Versuch, Verantwortung anders zu rahmen?
In Business-Netzwerken und Szene-Kanälen wird inzwischen intensiver diskutiert, wie belastbar diese Projekte sind und ob OMHG tatsächlich die Ressourcen hat, um ein professionelles Franchise langfristig zu führen.
Die Bewährungsprobe: Fakten statt Folien
Worte wirken, aber sie tragen nur bis zum ersten Kickoff. Jetzt müssen Entscheidungen folgen, die belegbar sind:
- Rechtsform und Gesellschafterstruktur offenlegen
- Finanzierung und Sponsoren nachvollziehbar machen
- Sportliches Fundament mit Coaches, Spielern und Infrastruktur belegen
Solange diese Themen ungelöst sind, bleibt das Projekt in der Schwebe zwischen Vision und dichtem Nebel über den Alpen
Die Geschichte von OMHG, den Helvetic Mercenaries und den Alpine Rams liest sich bislang wie ein Musterfall moderner Sportprojekte: schnell initiiert, stark inszeniert, aber inhaltlich diffus und oft zum Scheitern verurteilt.
Ob 2026 tatsächlich Football in Bern auf höchstem Niveau stattfindet, hängt nicht mehr von Worten ab, sondern von Strukturen, Verträgen und Belegen. Wer große Versprechungen macht, muss sie irgendwann tragen.
Noch ist Zeit – aber über den Alpen liegt Nebel. Und der wird sich nur lichten, wenn Taten folgen.







































