Beitragsautor: Harry Frosch

Die EFA begrüßt London und Mailand – und wirft Fragen auf

1,2 oder 3, die aktuelle europäische Liga Situation
1,2 oder 3, die aktuelle europäische Liga Situation

Es war die Meldung, die einen Domino-Effekt auslöste: Heute gab die European Football Alliance (EFA) in einer internationalen Pressemitteilung den direkten Eintritt von London und Mailand als neue Franchises bekannt. Die Liga lässt keinen Zweifel an ihren Ambitionen – mit David Gandler (Fubo, Gandler Sports Group, Leyton Orient FC) als Owner in London sowie einer schlagkräftigen, noch nicht final benannten Gruppe in Mailand werden zwei der größten europäischen Sport- und Medienmärkte integriert. Das Ziel: Qualitätssteigerung, neue Rivalitäten und nachhaltiges Wachstum durch professionelle Strukturen im gesamten Kontinent.​ Gandler wurde vor einigen Wochen noch als nächster großer Investor bei der ELF angekündigt. Und während Fans jetzt spekulieren, ob in Mailand die Seamen an den Start gehen, welche bereits in der ELF spielten und ob das Team in London den berühmten Namen Monarchs tragen wird, wirft diese Meldung noch weitere Fragen auf.

Mit der Expansion betont die EFA ein pan-europäisches Profil und listet Franchises aus Großbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland, Tschechien, Dänemark/Schweden und Italien als künftig tragende Säulen. Auffällig: Österreich und Polen tauchen in dieser offiziellen Pressemitteilung nicht mehr auf – ein Indiz für die gravierenden internen Spannungen und den Umbruch in der Liga.

 Der große Bruch: Elf Teams verlassen die ELF

Die Geschichte begann mit einer Revolution: Nach gravierender Kritik an Transparenz, Machtverteilung und Vertragsbedingungen traten gleich elf Franchises aus der European League of Football (ELF) aus und gründeten die EFA. Darunter: Rhein Fire, Stuttgart Surge, Vienna Vikings, Frankfurt Galaxy, Wroclaw Panthers, Berlin Thunder, Prague Lions, Hamburg Sea Devils, Cologne Centurions, Helvetic Mercenaries und die Enthroners aus Ungarn – ein beispielloses Signal im europäischen Profifootball.

ELF Commissioner Patrick Esume, der die ELF zusammen mit Zeljko Karajica entwickelt hat, hatte sein Engagement beendet und wird jetzt mit der EFA in Verbindung gebracht – aber mit welcher?

Die Schiedsrichter und Stats Crews haben ebenfalls die ELF verlassen, das macht es also schwierig, einen ordentlichen Ligabetrieb in nur ein paar Monaten komplett neu aufzustellen.

Dennoch werden auf der Internetseite der ELF munter Trainer und Spielerwechsel auch der Teams angekündigt, die eigentlich nicht mehr in der ELF spielen möchten. Gerade so, als ob es keine Probleme geben würde. Fehlt nur noch, das jetzt schon Gamepass und Fanwear für 2026 verkauft wird….

Interne Spaltung: Die EFA im Streit zwischen Investoren und Klassiker-Modell

Was als Aufbruch begann, geriet bald zur nächsten Zerreißprobe: Binnen weniger Wochen zerstritt sich die EFA in einen Investoren-Flügel, der auf US-Geldgeber und den Lead von Robin Lumsden (Vienna Vikings) setzt, sowie die „Traditionsfranchises“, die ein NFL-ähnlich aufgestelltes Mitbestimmungsmodell fordern – ohne direkte Investorenbeteiligung. Die Raiders Tirol traten als Erste wieder aus, weitere Teams wie Cologne Centurions, Hamburg Sea Devils und Helvetic Mercenaries halten sich ebenso alle Optionen offen.

Besonders interessant ist dabei, das ausgerechnet die maßgeblichen Initiatoren der EFA, Vikings und Rhein Fire diejenigen sind, die jetzt für eine erneute Abspaltung sorgen.

Fehérvár Enthroners: Ungarns Sprung in die AFL

Einen eigenen Weg geht ab sofort der ungarische Klub Fehérvár Enthroners. Nach drei Jahren ELF steigt das Team als erstes ungarisches Franchise in die Austrian Football League (AFL) ein – ein historischer Schritt für die Liga und den Football in Zentralosteuropa.

Wie reagiert die ELF? 11 Teams unter Vertrag, aber Streit um Namensrechte

Die ELF betont in eigenen Statements für die Saison 2026, mit elf Teams einen Vertrag zu halten. Gespräche laufen, Sanktionen gegen Teams, die in Alternativ-Ligen antreten, stehen im Raum: Bis zu 500.000 Euro Vertragsstrafe wurden genannt. Während z.B. Rhein Fire bereits an einer neuen Franchise-Identität arbeitet, bleibt bei anderen Namen wie Thunder oder Galaxy alles offen.

Nordic Storm: Statement, Zögern und die versteckte Strategie

Die Unsicherheit gipfelt im Fall der Nordic Storm. Am 5. November 2025 dementierte die nordische Mannschaft über ihren offiziellen Instagram-Kanal Entscheidungen, die sie als „Gerüchte“ bezeichnete:

Wir sind uns der Gerüchte bewusst, die über den angeblichen Austritt von Nordic Storm aus der European Football Alliance (EFA) kursieren. Diese Behauptungen sind falsch. Nordic Storm steht voll hinter der stetigen Weiterentwicklung professionellen American Footballs in Europa.“

Doch die offizielle Distanzierung überschattet eine taktische Zwischenposition: Mehrere Insider bestätigen, dass die Nordic Storm inoffiziell „auf zwei Hochzeiten tanzt“. Ihr General Manager, Kristian Gildsig, hält sich alle Optionen offen – und wäre nach Angaben von Sponsoren-Umgebungen sogar bereit, kurfristig dem neuen, von US-Investoren geführten Liga-Modell von Robin Lumsden zu folgen, wenn die Verhandlungen mit den bestehenden EFA-Partnern scheitern sollten.

Und auch Rhein Fire sei laut einer Zeitungsmeldung aus der EFA ausgestiegen, dies wäre aber „nur“ Proforma und nicht endgültig.

Die Möglichkeit von drei Ligen – und Unsicherheit bei Sea Devils, Centurions, Mercenaries

In dieser Situation stellen weitere Teams wie die Hamburg Sea Devils, Helvetic Mercenaries und Cologne Centurions für 2026 öffentlich in Aussicht, wieder zu spielen. Was davon umsetzbar ist, bleibt ungewiss. Eine Liga-Spaltung mit bis zu drei Systemen scheint für viele Kommentatoren unrealistisch.

So wäre der Stand der möglichen Ligen heute, das kann sich aber stündlich ändern:

EFA  New EFA ELF / Neutrale Zone 
Nordic Storm Wroclaw Panthers Tirol Raiders
Paris Musketeers Berlin Thunder Munich Ravens
Prague Lions Rhein Fire Hamburg Sea Devils
Madrid Bravos Stuttgart Surge Cologne Centurions
Frankfurt Galaxy Vienna Vikings Helvetic Mercenaries
London Franchise
Milano Team

Stimmen aus der Szene: Transparenz, Kritik und die Suche nach dem Neustart

Spieler wie Sebastian Gauthier fordern eine starke, transparente Spielervereinigung; andere wie Sandro Platzgummer, der gerade mit Team Austria die Europameisterschaft gegen Deutschland gewonnen hatte, bringen sogar Conference-Modelle ins Spiel – nach dem US-Vorbild, um den europäischen Football zu retten. Die Liga- und Franchisevertreter selbst suchen händeringend nach Lösung und Einheit, um das Projekt am Leben zu halten.

Vielleicht bringt Fan-Frühstück mit Vienna Vikings und Berlin Thunder beim NFL Berlin Game eine Auflösung? 

Im Rahmen des NFL Berlin Games laden die Vienna Vikings und Berlin Thunder am 8. November gemeinsam zum Brunch „Coffee & Croissants – NFL Weekend Morning Meetup“ aufs Rooftop HYGH, Bellevuestraße 3. Vielleicht gibt es schon dort die nächsten Big News zur Zukunft der EFA/ELF – denn Owner Robin Lumsden gilt als einer der Strippenzieher der Szene. Für Fans, Profis und Sponsoren bietet das Event Gelegenheit, direkt im Dialog Neues zu erfahren.

American Football in Europa steht vor einem historischen Wendepunkt. Wie die Zukunft aussieht, entscheidet sich in den nächsten Wochen – auf dem Feld, im Verhandlungsraum und vielleicht schon beim nächsten Croissant.

Die GFL und GFL2 wird auch 2026 wieder an den Start gehen

Unabhängig davon, wie sich die Situation rund um die europäischen Ligen weiterentwickeln wird, steht eines fest: Auch im Jahr 2026 werden die GFL und die GFL2 definitiv wieder an den Start gehen. Die German Football League existiert bereits seit 1979 und hat insbesondere in den letzten beiden Jahren eine äußerst positive Entwicklung genommen. Dank der intensiven Zusammenarbeit der Vereine und neuer Maßnahmen zur Professionalisierung präsentiert sich die Liga sportlich wie organisatorisch in starker Form und blickt auf eine stabile Zukunft.​

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