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Zwischen Hype und Abgrund: Die ELF 2025 im Drahtseilakt
Können sich ELF und EFA noch einigen – wie wird es weitergehen? Getrennt, zusammen oder gar nicht?
Beitragsautor: Harry Frosch
ELF: Internationale Verbreitung und Publikumsmagnet auf der einen, Teamkrisen und wirtschaftlicher Exodus auf der anderen Seite
[us_separator]Wie die European League of Football trotz eines packendes Finale gleichzeitig ihre größte Zerreißprobe durchlebt.
Saison 2025: Glanz, Skandale und ein zerrissenes Football-Europa
Die fünfte Saison der European League of Football (ELF) war alles – nur nicht langweilig. Im Fokus standen eine rekordverdächtige Medienpräsenz und ein begeisterndes Finale in Stuttgart. Doch hinter den Kulissen häuften sich wirtschaftliche Probleme, Teampleiten und ein beispielloser Bruch: Elf Teams verließen die Liga und gründeten die EFA (European Football Alliance). Es bleibt eine Achterbahnfahrt aus Publicity, Drama und massiven finanziellen Fragezeichen.
Wirtschaftliche Probleme und der Fall Karajica
ELF-Boss Zeljko Karajica musste 2025 öffentlich eingestehen, dass verspätete Gehaltszahlungen und fehlende Sponsoreneinnahmen für viele Clubs an der Tagesordnung waren. Die Liga hatte es über Jahre versäumt, eine stabile wirtschaftliche Basis und nachhaltige Partnerschaften zu entwickeln. Lediglich TV- und Streaming-Verträge, etwa mit DAZN oder ProSiebenSat.1, konnten die Außenwirkung sichern – finanziell geriet die Liga dennoch ins Schlingern. Karajica kündigte seinen Rückzug als Geschäftsführer nach der Saison an; die Nachfolge ist offen. Dass er seine Anteile und damit die Mehrheit unbedingt behalten will, steht aktuell einer möglichen Einigung mit der EFA im Weg.
Die Abspaltung: European Football Alliance (EFA)
Elf Teams – darunter namhafte wie Stuttgart Surge, Rhein Fire und Paris Musketeers – erklärten 2025 ihren Ausstieg und banden sich neu in der European Football Alliance (EFA). Hauptvorwürfe: Intransparenz, unfaire Einnahmeverteilung, mangelnde Kontrolle, sportliche Wettbewerbsverzerrung und wirtschaftliche Instabilität der ELF. Die EFA plant ab 2026 eine eigene Liga nach amerikanischem Vorbild und will die Interessen der Franchises stärker berücksichtigen. Dieser Aderlass bedeutet für die ELF einen tiefen Einschnitt und gefährdet ihren Fortbestand.
Mediale Rekordpräsenz & Streaming-Offensive
2025 konnten Football-Fans europaweit und darüber hinaus so bequem wie nie zuvor ELF-Spiele verfolgen: Erstmals gab es den Game Pass über DAZN auf praktisch allen Geräten. Die Partnerschaft ermöglichte globale Reichweite (verkauft in 80, genutzt in 108 Ländern) und machte die ELF als Medienprodukt attraktiver denn je. Zusätzlich bot Sportworld „Pay-per-View“ für Einzelspiele an – ein Zeichen internationaler Ambition.
In Deutschland erzielte die Liga erneut starke Quoten über ProSiebenSat.1, während in den USA Fubo mit wachsenden Übertragungen für steigende Popularität sorgte. In Afrika überzeugte SportyTV mit fünfstelligen Zuschauerzahlen – für Football-Neuland ein beachtlicher Erfolg. Sogar Märkte wie Brasilien, Kroatien und Dänemark schalteten regelmäßig ein. In Tschechien steigerte O2 Sport die Zuschauerzahlen der Prague Lions um 50 Prozent, wohl auch dank ihres erfolgreichen Abschneidens. Fazit: die Medienpräsenz ist top, der internationale Hype ungebrochen.
Sportliches: Viel Spannung – und zu viele Einseitigkeiten
Sportlich war die Saison abwechslungsreich: Viele enge Spiele und Überraschungen, aber auch bittere Niederlagen. Die besten Teams der Divisionen qualifizierten sich für die Playoffs und sorgten für spannende Spiele. Das große Finale lockte über 30.000 Fans in die Stuttgarter MHPArena. Das Duell zwischen Stuttgart Surge und Vienna Vikings bot Drama, Qualität und ein würdiges Football-Fest samt stimmungsvoller Halbzeitshow mit den Fantastischen Vier.
Doch die Ausgeglichenheit ließ zu wünschen übrig: Gerade in manchen Partien zeigte sich, dass das Leistungsgefälle zwischen Top- und Flop-Teams größer war als je zuvor. Am Ende dominierten die bekannten Namen, während Mannschaften wie die Cologne Centurions, Helvetic Mercenaries, Hamburg Sea Devils und Berlin Thunder weder sportlich konkurrenzfähig waren noch wirtschaftlich überlebensfähig – ein Grund für zunehmenden Frust bei Spielern, Trainern, Fans und Sponsoren.
Wirtschaftliche Turbulenzen, Teamcrashs und EFA-Abspaltung
2025 geht als echtes Krisenjahr in die Ligageschichte ein. Die wirtschaftlichen Probleme rund um Geschäftsführer Karajica sorgten für Unruhe: fehlende Transparenz, unklare Einnahmeverteilung, verspätete Gehaltszahlungen, mangelhafte Sponsorenakquise und Unsicherheiten in den Clubs. Der Austritt von elf Teams, die ab 2026 in der EFA starten wollen, brachte das Fass zum Überlaufen.
Parallel erlebten die „Problemteams“ ihre eigenen Krisen:
Berlin Thunder meldete Insolvenz an, die Zukunft ist höchst ungewiss.
Die Cologne Centurions mussten Insolvenz anmelden und wurden dubios neu gegründet, bedienten sich dabei an Altmaterial und hatten zahlreiche Führungswechsel. Beim letzten Spiel halfen Spieler der Raiders Tirol aus, damit die Partie stattfinden konnte. Commissioner Esume führte das „Mixed Teams“-Prinzip ein. Commissioner Esume ist wegen unüberbrückbarer Differenzen mit Karajica aus der ELF zurückgetreten. Die Spekulationen über einen Wechsel zur EFA halten an.
Die Hamburg Sea Devils standen kurz vor dem Kollaps. Nach internen Differenzen gab es Rücktritte und Zahlungsprobleme. Shuan Fatah, extra als Trainer gewechselt, verließ das Team umgehend wieder.
Die Helvetic Mercenaries lieferten eine „Seuchensaison“ ab: Sportliche Misserfolge, ständige Personalwechsel sowie ein Rekorddebakel mit 0:77 in Paris. Importspieler wie Ex-NFL-Profi Keelan Cole reisten wegen Visaproblemen vorzeitig ab. Zum Spiel gegen die Nordic Vikings reiste das Team gar nicht erst an. Dennoch will der Verein 2026 weitermachen – trotz massiver Probleme.
Die wichtigsten Zugpferde der Liga – darunter Stuttgart Surge, Rhein Fire, Frankfurt Galaxy, Paris Musketeers – verlassen die ELF. Für den verbleibenden Rest wird es immer schwieriger, das sportliche sowie das wirtschaftliche Niveau zu halten. Einzig die Milano Seamen könnten als Rückkehrer Hoffnung machen.
Licht und mehr Schatten
Die ELF machte 2025 als TV- und Streamingprodukt vieles richtig, bot viele mitreißende Spiele und ein großes Finale – doch zahlreiche einseitige Duelle, Wirtschaftskrisen und Vereinspleiten prägten das Bild. Selten lagen Faszination und Risiko so nah beieinander. Der Sport selbst begeistert, das System aber wankt. Moderne Medienarbeit reicht nicht aus, wenn hinter den Kulissen Teams pleitegehen und der Großteil der Liga rebelliert. Gibt es noch eine Einigung mit der EFA? Werden beide Ligen separat antreten – oder droht 2026 das Ende des europäischen American Football in einer Liga ? Die Zukunft bleibt offen – und garantiert alles, nur keine Langeweile.
