Die Helvetic Guards in der ELF

Die European League of Football (ELF) hat bereits drei neue Teams bekanntgegeben, die in der nächsten Saison der Liga beitreten werden. Eines dieser Teams sind die Helvetic Guards. Das ist aber auch so ziemlich die einzige Information, die man über das Schweizer Team wirklich sicher hat.

Die Geschichte des Teams

Die Geschichte der Helvetic Guards ist sehr schnell erzählt: es gibt ganz einfach bisher keine. Die neue Franchise hat ein Logo, das klar an die Mitglieder der Schweizer Garde erinnern soll. Und genau so sollen sich die Guards auch in der ELF präsentieren: loyal, stark, unbeugsam. Mit welchen Spieern und welchen Trainern das genau passieren soll, steht allerdings alles andere als fest. Und es gibt noch viele andere Unbekannte.

Zum Beispiel ist bisher weder bekannt, wer die Anschubfinanzierung für das Team gegeben hat. Und auch ein Sponsor ist aktuell nicht bekannt. Der wird sich zwar sicher finden bzw. die Guards werden ihn präsentieren. Ungewöhnlich ist dieses Vorgehen aber allemal.

Helvetic Guards
Helvetic Guards

Die Spielstätte

Es gibt bisher keine Verlautbarungen darüber, wo die Guards ihre Heimspiele austragen werden. Da mutet es ziemlich clever an, dass das Logo und der Teamname zwar einen klaren Bezug zur Schweiz haben, aber keinen Kanton oder gar eine Stadt im Namen führen. Einerseits kann man damit behaupten, dass die gesamte Schweiz repräsentiert werden soll, andererseits muss man sich nicht auf einen Spielort festlegen. Denn im Moment haben die Gardisten schlichtweg kein Stadion.

Der legendäre Letzigrund in Zürich wäre die Topadresse. Allerdings muss, um in den Letzigrund zu ziehen, erst ein neues Stadion für die beiden großen Fußballvereine der Stadt gebaut werden. Leider verzögert sich der Bau, weil es Klagen gegen dieses Vorhaben gibt. Und wann die Verfahren enden, kann niemand sagen. Und selbst, wenn dann gebaut werden darf, wird es noch das eine oder andere Jahr dauern, bis das Stadion dann tatsächlich bezogen werden kann.

In Winterthur steht zwar ein echtes Footballstadion, allerdings ist das Stadion Schützenwiese mit einer Spielfläche ausgestattet, die nicht die Mindestmaße für die ELF aufweist. Durch Baumaßnahmen wäre das Stadion aber ohnehin nicht sofort verfügbar.

Durch die nicht klar definierte Regionalisierung der Guards bleiben aber in der Schweiz noch weitere Alternativen. In Rappertswil, Grechen, Chur, Basel, Thun, Bern oder St. Gallen würden sich bestimmt einige Sportstätten finden lassen, die europäischem Spitzensport eine Heimat bieten wollen. Vielleicht tragen die Helvetic Guards ja auch jedes ihrer Heimspiele in einer anderen Stadt aus.

Es gäbe noch eine weitere Option, aber dafür müssten die Gardisten die Schweiz verlasen und auf deutschem Boden in Konstanz spielen. Das dortige Bodenseestadion wird bereits als Spielstätte für American Football genutzt. Und die Verbindung zwischen den Konstanzern und den Helvetic Guards werden beim Blick auf das Personal deutlich. Besonders dann, wenn man bedenkt, dass die Konstanz Pirates derzeit nicht ganz zufrieden mit den politischen Entscheidungsträgern der Stadt sind.

Die Leute hinter den Guards und die sportliche Leitung

Das ist das nächste große Rätsel. Zwar hat man mit General Manger Toni Zöller bereits einen Namen präsentieren können, allerdings ist Zöller bisher im süddeutschen Amateurfootball in Erscheinung getreten. Bei den Konstanz Pirates spielte er als Quarterback und brachte das Team als Schlüsselspieler in die Bezirksliga und die Landesliga, bevor er aus Zeitgründen seine aktive Karriere beendete. Was genau ihn jetzt konkret dazu befähigt, in der europäischen Topliga als GM zu fungieren, bleibt vorerst das Geheimnis. Ebenso die Hintermänner und Geldgeber des Teams.

Wenn man jetzt aber mal über den Tellerrand hinausblickt, das Logo der Helvetic Guards mit dem der Konstanz Pirate vergleicht und dann Eins und Eins zusammenzählt, ergibt der Name Toni Zöller durchaus Sinn. Die beiden Logos sind einander so ähnlich, dass man fast von einer Art Corporate Design ausgehen könnte. Zumindest kann man aus dieser Perspektive kaum davon ausgehen, dass die Verpflichtung Zöllers ein Zufall ist.

Genauso wenig wie die Verpflichtung von Don Clemons übrigens. Der ehemalige Coach der Detroit Lions arbeitet seit einiger Zeit bei den Thun Tigers im Coaching Staff. Er will auch weiterhin in Thun tätig bleiben. Eine Kooperation zwischen beiden Teams erscheint da sehr wahrscheinlich. Die Erfahrungen, die der 67jährige Defensivspezialist in 27 Jahren als Trainer in der amerikanischen Autometropole sammeln konnte, werden in jedem Fall ein großer Gewinn für das neue Team sein.

Die Kombination Toni Zöller als gut vernetztem Sportler mit erst kürzlich beendeter Karriere und Don Clemons als „Altem Hasen“ im Geschäft könnte eine wirklich gute Symbiose bilden. Jetzt kommt es für Zöller darauf an, weitere kluge Köpfe für das Coaching Staff zu verpflichten. Mit der Erfahrung von Don Clemons und dessen ebenfalls guten Verbindungen in Europa und die USA wären spektakuläre Verpflichtungen zumindest möglich.

Daiese Konstellation macht das ganze Projekt dann dooh wieder höchst spannend. Man darf neugierig darauf bleiben, mit welchen Spielern die Helvetic Guards in die ELF-Saison starten werden, wo sie spielen und welche Dinge die bisher unbekannten Hintermänner noch aus dem Hut zaubern werden.

Der sportliche Ausblick

Auch, wenn wir keine Glaskugel haben, aus der wir lesen können, wagen wir eine kleine Prognose. Und die sieht, wenn man die Grundvoraussetzungen betrachtet, nicht gerade bombastisch aus für das neue ELF-Team aus der Schweiz. Sicherlich werden die Guards ihre Fans finden. Aber ob ein Team, das dermaßen aus der Retorte gehoben wurde wie die Guards, die keine Fanbase und noch nicht einmal ein festes Stadion haben, sofort die Massen begeistern werden bleibt sehr zweifelhaft. Auch die eventuell interessierten und verfügbaren, bezahlbaren Spieler werden die Situation sehen. Und entweder schaffen es die Mcher innerhalb weniger Monate wirkliche Visionen bieten zu können. Oder aber das ELF-Abenteuer hat sich ganz schnell wieder erledigt.

Wir können nur mutmaßen, wer wirklich hinter den Guards steckt. Genauso über die Gründe, die die Macher zur Gründung einer Franchise bewegten, die weder Tradition noch Heimat hat. Aber ein Ziel haben sie auf jeden Fall schon erreicht; man spricht über das neue Team und macht sich Gedanken. Kann man sich eine besser Publicity wünschen als ein bisschen Mistery? Wir jedenfalls werden die Guards auch weiterhin aufmerksam beobachten und die Entwicklung begleiten.

Matt Hammer
Matt Hammer, Athletic Director
J.C. Williams