Beitragsautor: Jörg Kochs 

Kontroversen und Titelstreit in der zweiten NFL Saison

Chicago Staleys vs.
Staleys vs. All Americans Buffalo

Wir kommen zur zweiten Folge meiner neuen Serie, in der ich auf alle Spielzeiten der NFL seit 1920 zurückblicke.

Heute geht es um die Saison 1921, wo es die ein oder andere Kontroverse gegeben hat. Auch das Titelrennen sollte mit einem Ereignis enden, dass manche als Schwindel bezeichneten.

Zudem sollte es diese Sorgen sein, indem der spätere Rekordchampion sein Debüt gab.

Vor der Saison: ein letztes Mal sollte die Liga APFA heißen. Ab dem nächsten Jahr würde sich die Liga dann in NFL umbenennen. Jim Thorpe wurde als Präsident der Liga noch vor der Saison von Joseph Carr abgelöst. Carr wird diesen Job bis zu seinem Tod 1939 immer haben. Die Chicago Tigers zogen sich aus finanziellen Gründen zurück, doch es kamen gleich acht neue Teams dazu. Darunter: ein Team aus einer kleinen Stadt in Wisconsin, die Green Bay Packers. Des Weiteren gab es ein paar Umbenennungen. Aus den Cleveland Tigers wurden die Clevelands Indians, aus den Decatur Staleys wurden die Chicago Staleys und aus dem Detroit Heralds die Detroit Tigers. Somit nahmen 21 Teams Teil.

Die Saison: wie schon im Vorjahr gab es keinen festen Spielplan. Weiterhin konnte jedes Team so viele Spiele bestreiten, wie es das wollte. Die meisten Spiele bestritten die Buffalo All Americans und Titelverteidiger Akron Pros (12). Die Tonawanda Kardex Lumbermen traten nur einmal an und zogen sich danach für immer zurück.

Dennoch kam ein bisschen mehr Struktur in die Liga, denn Präsident Carr legte fest, dass nur noch Spiele gegen andere Liga Teams zählten.

Das Eröffnungsspiel bestritten am 25. September 1921 die Akron Pros und die Columbus Panhandles. Beendet wurde die Saison am 18 Dezember 1921 mit dem Derby in Chicago zwischen den Staleys und den Cardinals. Eine Kontroverse gab es um die Buffalo All Americans. Einige Spieler spielt nebenbei auch noch für die Philadelphia Quakers in einer unabhängigen Liga. Darunter auch der spätere Gründer der Philadelphia Eagles, Lud Wray. Die Liga bekam irgendwann davon mit und zwang die Spieler sich zu entscheiden. Die meisten, darunter auch Wray entschieden sich für die Quakers. Sie beschuldigten die All Americans, sie verpfiffen zu haben. Das Team aus Buffalo durfte allerdings seinen Kader mit Spielern der während der Saison aufgelösten Detroit Tigers auffüllen.

Die größere Kontroverse ereignete sich allerdings im Titelrennen. Nach Woche 10 standen die All Americans aus Buffalo an der Spitze gefolgt von den Chicago Staleys. Buffalo hatte acht Siege und zwei Unentschieden, Chicago 7 Siege und eine Niederlage. Die All Americans glaubten den Titel bereits sicher zu haben. Der Besitzer Frank McNeill organisierte zwei weitere Spiele, glaubte jedoch es handelt sich dabei lediglich um Freundschaftsspiele, die nicht zählen würden. Das Spiel gegen die Akron Pros wurde dann auch gewonnen.

Doch dann macht Buffalo einen schweren Fehler. Mit dem Nachtzug fährt das Team nach Chicago und spielt am nächsten Tag gegen die Staleys. Das nicht ausgeruhte Team verliert mit 10:7. Nicht weiter schlimm, es ist ja nur ein Testspiel. Oder doch nicht? Chicago spielt ein paar Tage später gegen die Canton Bulldogs und kann auch dieses Spiel für sich entscheiden. Und plötzlich spricht Besitzer George Halas, der in dieser Saison auch aktiv als End spielt, zum Entsetzen von ganz Buffalo davon, dass sowohl das Spiel gegen die Bulldogs als auch das Spiel gegen die All Americans zu Liga zählen. Tatsächlich folgt die Liga mehrheitlich dieser Auffassung und erklärte die Chicago Staleys zum Champion 1921. In Buffalo ist man außer sich und spricht vom Staley Schwindel. Besonders bitter: das Team von der kanadischen Grenze hatte mit 211 Punkten die klar beste Offensive, die zweitbeste hatte gerade einmal 148 und obwohl sie die meisten Spiele bestritten hatten, die dritt wenigsten Punkte kassiert. Nur die Munice Flyers und die Louisville Brecks kassierten weniger Punkte. Diese beiden Teams bestritten allerdings auch jeweils nur zwei Spiele. Zu den Stars der Liga zählten George Halas (Staleys), Tommy Hughitt( All Americans), Guy Chamberlin ( Staleys) und Fritz Pollard ( Pros).